Mamas Ermahnungen

Meine Kinder hassen das: Kurz bevor sie zu neuen Ufern aufbrechen, gibt es immer einen langen Mama-Talk mit Ermahnungen. Die meisten Dinge habe ich schon 100x gesagt, die wichtigsten vergesse ich dann doch.

Nun möchte ich Euch auch damit beglücken. Aber der Vorteil ist: Wenn ich was vergesse, könnt Ihr das anhängen:

1.Sicherheit:

  • Es hat sich bewährt, ein Codewort auszumachen. Wenn wirklich etwas komplett schief läuft, und einer sagt z.B. „Arbeitsamt“, wissen es alle und können ggf. die Veranstaltung auflösen.
  • Frauen sollten Männern möglichst wenig in die Augen kucken. Ich weiß, das ist sehr schwer. Aber als Lehrerinnen dürfen wir ihnen auf den Mund kucken.
  • Keine Paranoia. Als Lehrerinnen sind wir Autoritätspersonen. Frauen in solchen Positionen gibt es im Orient überall. Wenn Leute so tun, als würden sie das nicht kennen, führen sie uns an der Nase herum.

2.Kleiderordnung: (für Frauen)

Das ist im November nicht ganz so schwierig, aber trotzdem:

  • Ideal sind weite „Schlabberklamotten“.
  • Keine Mini-Röcke, wenn Röcke, dann lang. Schöne Beine können ungemein sexy sein.
  • Keine tiefen oder breiten Ausschnitte. Als ich vor 25 Jahren im Orient war, war T-Shirt noch okay. Bin aber nicht sicher, ob das heute noch so ist.
  • Lange Haare nicht offen tragen.
  • Keine Leggings ohne etwas darüber.
  • Grundregel: Alles, was frau macht, um sexy auszusehen, sollte vermieden werden.

3. Umgang mit Sprache

  • Langsam reden!
  • Deutlich reden! Wer zum Nuscheln neigt, kann sich einen Korken zwischen die Vorderzähne stecken und 1-5 Minuten sprechen üben. Täglich wiederholt wirkt das Wunder.
  • Damit rechnen, dass man, wenn man aufgeregt ist, automatisch schneller redet als sonst.
  • Einfache Sprache benutzen, aber keine Baby- oder gar Ausländersprache. Wir unterrichten kein Kiezdeutsch
  • Immer Artikel verwenden
  • Auf normale Betonung achten: Kein Nachrichtensprecher-Deutsch

4. Nach dem Unterricht

  • Auf ordentliche Toiletten achten
  • Das tun, was mit dem Quartiergeber verabredet wurde
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2 Antworten zu Mamas Ermahnungen

  1. Josef sagt:

    Ich habe beim Lesen dieser Ratschläge das Gefühl, dass man den Anfängen einer Überanpassung an die Flüchtlinge wehren muss. Es ist sicher hilfreich, die kulturellen und religiösen Vorstellungen der Flüchtlinge zu kennen, um ihnen respektvoll begegnen zu können. Es ist aber auch selbstverständlich, dass die Flüchtlinge sich beim Verhalten in der Öffentlichkeit unseren Gewohnheiten anpassen und nicht wir ihnen. Es muss sich niemand in Blankenfelde so anziehen, wie es in Syrien üblich ist. Es muss auch niemand von uns hier so gucken, wie man in Syrien guckt. Die Flüchtlinge müssen sofort erfahren, dass ihre mitgebrachten Vorstellungen nur eine Möglichkeit von ganz vielen sind, wie man sein Leben und Verhalten gestalten kann. Sie müssen sofort verstehen, dass sie andere zu akzeptieren haben, auch wenn diese ganz anders sind, und dass die Gewohnheiten aus ihrer Heimat für andere Menschen an anderen Orten bedeutungslos sind.

    • Marianne sagt:

      Ach nein, meine Gründe waren eigentlich Andere. Das gibt mir aber die Gelegenheit, ein wenig deutlicher zu werden. Vielleicht klingt das auch zu krass. Aber ich glaube nicht, dass es übertrieben ist.

      Ein Mann in unserer Position kann sich glücklich schätzen: Egal, was er tut, es wird niemals als Flirt oder gar Anmache interpretiert. Und selbst, wenn er bewusst flirten sollte, liegt es an der Frau, sich davor zu schützen. Ein Mann wird weder komisch angesehen oder gar angefasst, noch wird man Ihm einen Heiratsantrag machen. Deshalb braucht er sich über sein Auftreten kaum Gedanken zu machen.

      Kultur ist etwas, das einem lange unbewusst ist. Und wenn man in eine neue Kultur kommt, dauert es lange, bis man die Unterschiede versteht und sich danach richten kann.

      Stellen Sie sich vor, Sie müssten Polnisch von einer Dame im Bikini lernen, die Ihnen auch noch regelmäßig zuzwinkert. Ich gehe mal davon aus, dass das einen Mann von der Sprache ablenken und ggf. Seinen Sinn für Toleranz hart strapazieren würde, selbst wenn das in Polen gang und gäbe wäre.

      So ähnlich fühlen sich orientalische Flüchtlinge in Deutschland, wenn diejenigen, die mit ihnen zu tun haben, nicht auf ihre Kleidung achten.

      Und wenn ich das als Frau weiß, sage ich mir „Müssen die sich ausgerechnet an mir abarbeiten? Müssen sie ausgerechnet an mir lernen, dass eine Frau sexy aussehen kann, ohne mit ihnen ins Bett zu wollen?“

      Meine Antwort auf diese Frage ist „nein“. Und deshalb lasse ich den Minirock zu Hause und konzentriere mich auf die Sprache. Das hat mit Überanpassung überhaupt nichts zu tun. Es ist reine Bequemlichkeit.

      Also, noch mal ganz deutlich: Wenn ich mich um angemessene Kleidung bemühe, tue ich das nicht, weil ich mich irgend einer fremden Sittenpolizei unterordne, sondern weil ich nicht möchte, dass meine Kleidung und mein Verhalten falsch interpretiert werden, und weil ich meine Mitmenschen nicht mehr als unbedingt nötig in Bedrängnis bringen möchte.

      Und mein Wunsch an alle Männer im Team lautet: Achtet bitte darauf, was in dieser Beziehung läuft: Wenn einer unserer Schüler es übertreibt, kann ein Gespräch von Mann zu Mann Wunder wirken…;-)

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