Infos für Helfer, die Flüchtlinge betreuen, die dringend Deutsch lernen müssen

Liebe Flüchtlingshelfer/innen!

Ich bekomme immer wieder Anfragen wegen einzelner Schüler, die Deutschunterricht brauchen. Deshalb möchte ich hier einfach mal alle wichtigen Infos zusammentragen, auch zum Weitergeben.

Das neue Schuljahr beginnt bei uns am Dienstag, dem 5. September.

Um 17 Uhr treffen sich alle, die Deutsch lernen möchten in der Kirche hinter dem Bahnhof (Dietmar-Klemt-Str.2, ev. freikirchliche Gemeinde). Da werden wir eine komplett neue Gruppeneinteilung vornehmen. Es ist also enorm wichtig, zu diesem Termin aufzutauchen.

Damit eine Lerngruppe zustande kommen kann, müssen mindestens 6 Leute da sein, die regelmäßig teilnehmen. Wenn das gegeben ist, können wir bis zu 3x die Woche Unterricht anbieten.

Am 5.9. werden wir eine Stunde anbieten, die so gestaltet ist, dass wir den Leistungsstand einigermaßen abschätzen können. Ich muss allerdings zugeben, dass es auch in der Vergangenheit öfter passiert ist, dass wir Leute falsch eingruppiert haben. Wenn sie dann wegbleiben, können wir nichts mehr machen. Wenn sie dableiben, können wir entweder Gruppen tauschen oder binnendifferenziert arbeiten, so dass alle etwas davon haben. So etwas muss aber wachsen. Man muss sich kennen. Deshalb brauchen manche Schüler – und auch wir Lehrer – ein bisschen Durchhaltevermögen, bis wir es so gut wie möglich organisiert haben.

In der Gestaltung des Unterrichtes haben wir Kriterien:

  • Am Wichtigsten sind uns Leute, die regelmäßig teilnehmen und denen staatliche Kurse verwehrt sind. Für sie versuchen wir den Unterricht optimal passend zu gestalten.
  • Leute, die (ggf. bald) in staatlich Kurse gehen, dürfen kommen, müssen sich aber ggf. anpassen.
  • Auch Leute, die nicht regelmäßig kommen können, wie z.B. Mütter von kleinen Kindern, dürfen gerne teilnehmen. Meistens haben wir auch eine Kinderbetreuung. Aber es ist leider unmöglich für Leute, die nur unregelmäßig spontan auftauchen, ein gutes Programm zusammenzustellen.
  • Der Anfangsunterricht ist sehr am Alltag orientiert. Es geht viel um Verstehen und sich zurecht finden.
  • Wir legen den Fokus auf Erwachsene. Kinder ab 5 Jahren können am Anfangsunterricht zusammen mit ihren Eltern teilnehmen.

Übrigens: Wir sind immer noch knapp an Kinderbetreuuern.

Aus dem Nähkästchen:

Im ersten Halbjahr dieses Jahres haben wir ein paar negative Erfahrungen gemacht, die wir so nicht wiederholen wollen, und die ich deshalb hier mal aufschreibe, damit das für alle nachvollziehbar ist.

Ich habe immer wieder Anfragen wegen des Deutschunterrichts bekommen. Manche Helfer wollten mir einiges erzählen, was an ihren Schützlingen besonders ist. Aber meine Antwort ist immer die gleiche: Sie sollen zum Unterricht kommen.

Der aktuelle Stundenplan steht hier.

Das Ergebnis mag dann aber überraschen:

  • 50% der angekündigten Leute kommen gar nicht, auch wenn sie es hoch und heilig versprochen haben.
  • Einige kommen, und stellen fest, dass sie ein viel höheres Deutsch-Niveau haben als die Leute in unseren Kursen (denen können wir leider nicht helfen).
  • Einige kommen und stellen fest, dass die Leute, die bei uns lernen, ausgerechnet diejenigen sind, mit denen sie lieber nicht zu tun haben wollen.
  • Einigen ist es peinlich, erneut bei den Anfängern zu landen. Dann lernen sie lieber gar nicht.
  • Einige landen im falschen Kurs und kommen nie wieder.
  • Einige merken, dass das anstrengend ist und bleiben weg.
  • Einige kommen, halten durch und lernen Deutsch.

Unser letzter Anfängerkurs ist trotz vieler Ankündigungen von Helfern und Einrichtungen, uns Leute zu schicken, nie auf das Mindestmaß von 6 regelmäßigen Teilnehmern angewachsen, so dass wir ihn schließlich aufgegeben haben.

Also: Deutsch lernen bei uns funktioniert am besten mit Leuten, die die Einstellung haben, dass sie mitnehmen wollen, was sie kriegen können und auch mal ein bisschen Frust vertragen können. Wer kommt und durchhält, wird Erfolg haben.

Marianne

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Ein Kommentar zu Infos für Helfer, die Flüchtlinge betreuen, die dringend Deutsch lernen müssen

  1. Uwe sagt:

    …gestern waren bei mir 11 Schüler/innen im Unterricht. Es ist zum ersten Mal seit 1 1/2 Jahren keine(r) (in Zahlen: 0) zu spät gekommen. Und zum ersten Mal hat eine Schülerin im Schritte-Buch vorgearbeitet (Streberin!). Es bewegt sich also doch was. Die Kinderbetreuung funktioniert übrigens super – auch in den Ferien. Ohne sie könnte ich den Fortgeschrittenen-Kurs nicht machen. Dank an Dich und Damaris für die gute Organisation.
    Uwe, 22.8.17

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